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Bannalec: Bretonisches Gold (2014) - Kritik

"Das macht einen Skeptisch. [...] Wäre es ein Kriminalroman, würde man denken, es sieht alles nach einem Selbstmord aus, also sollen die Leser denken, es ist keiner, denn das wäre zu einfach. Aber dann ist es eben genau deswegen doch einer, denn das wäre ja genauso gut zu einfach, wenn es dann keiner wäre. Aber wenn man sich genau das denken würde - und wenn der Krimi gut wäre - dann würde -" (Inspektor Rival)
"Ich verstehe, Rival. Das ist kein Kriminalroman." (Commissaire Dupin)
Dass Jean-Luc Bannalec schreiben kann, doppelte Finten und falscheste Fährten legen kann, die auch den letzten Leser täuschen, wissen wir spätestens seit Band 2 seiner Bretagne-Krimis (Bretonische Brandung). Band 3, der hier rezensierte Titel, der in seiner namensgebenden Metapher auf das Fleur de Sel anspielt, wie dem Leser bereits nach wenigen Seiten offenbar wird, übertrifft seine Vorgänger darin noch einmal. Der obige Dialog zwischen Commissaire Georges Dupin und einem seiner Inspektoren - dem sympathischeren, also Rival - sticht dabei wie ein Leuchtfeuer der Literaturwissenschaft aus einem überraschend anspruchsvollen Roman heraus. Bannalecs drittes Werk stand nicht von ungefähr für mehrere Monate auf der Spiegel-Bestseller-Liste.
Dass Jean-Luc Bannalec gar nicht Jean-Luc Bannalec heißt, ist auch kein Geheimnis. Jörg Bong, so lautet der bürgerliche Name des Wahl-Bretonen, ist selbst Literaturwissenschaftler und das merkt man auch. Die Balance zwischen den malerischen Landschaftsbeschreibungen und den in diesem Band erstmals richtig actiongeladenen Showdowns hält der Autor mühelos. Dabei gelingt es ihm - was wohl auch dem gewählten Ermittlungsschauplatz geschuldet ist, auch noch kulinarische Ausführungen unterzubringen, ohne dass diese in irgendeiner Weise unpassend eingestreut wirken. Sogar als überzeugter Vegetarier erscheint mir eine Seezunge dank Bong, bzw. Bannalec, regelrecht lecker.
Doch was ist, außer den oben gewählten allgemeinen Lobpreisungen, über die Handlung zu sagen, ohne dabei zu spoilern? Zunächst, dass es sich im Gegensatz zu Bretonische Verhältnisse und Bretonsiche Brandung um einen astreinen Thriller handelt. Hatte die WELT noch 2012 von "Soft Crime" gesprochen (welt.de/literarischewelt/article106421190/Von-Null-auf-Hundert-Wer-ist-Jean-Luc-Bannalec [Stand: 7.1.19]) beginnt der dritte Teil der "Ferienkrimis" mit einer Schießerei und beinhaltet - soviel vorweg - nicht nur diese eine. Auch dass sich mit der resoluten, dabei aber geheimnisvollen Commissaire Rose eine weibliche Konkurrentin Dupins an dessen Seite wiederfindet, trägt zu einem insgesamt abwechslungsreicheren Verlauf bei. Die Handlung selbst, voller überraschender Wendungen, soll hier nicht speziell thematisiert werden - lest doch selbst! Oder aber hört, wie ich im Übrigen auch, die Hörbuchfassung gesprochen von Gerd Wameling auf Spotify.
Was ich von Sternewertungen und ähnlichen "Rezensionsformen" halte, werde ich an anderer Stelle einmal erläutern. Daher: Lese- und Hörempfehlung. Absolut. Keine Diskussion!

Viel Spaß!
Melchior

P.S.: Ich gehe in meinen Kritiken nicht nach der Reihe vor, sondern rezensiere das, was ich gerade gelesen, bzw. gehört habe. Habt ein schönes Wochenende!

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