"Sie wissen, dass Sie keinerlei Befugnisse für das besaßen, was Sie getan haben, Dupin?" - Commissaire Huppert
Nach dem letzten Band (Bretonisches Vermächtnis) hatte ich ehrlich gesagt den fatalistischen Verdacht, Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec könnte das kriminelle Potential der Bretagne letztendlich doch überreizt haben. Die immer neuen Ortswechsel gingen mir langsam gegen den Strich - das Schema F, nach dem Commissaire Dupin ermittelt, war mir überdrüssig geworden.
Warum also habe ich mir Bretonische Spezialitäten trotzdem wieder zu Gemüte geführt? Das hat zwei Gründe: Einerseits liebe ich die Bretagne und würde mir vermutlich jeden noch so schlechten Krimi antun, nur um mich wieder an die Côtes-d'Armor versetzen zu lassen - andererseits jedoch hatte ich die Hoffnung auf eine Renaissance Bannalecs noch nicht aufgegeben. Und damit hatte ich vollkommen Recht.
Bretonische Spezialitäten hat mehr zu bieten als kulinarische Exkurse - auch wenn diese durchaus einen nicht zu unterschätzenden Reiz ausmachen - die Reise Dupins zum Teambuilding-Seminar nach Saint-Malo gibt den Anstoß zu einer der packendsten Ermittlungen, die ich in den letzten Jahren verfolgen durfte. Nach dem Mord an einer Spitzenköchin auf dem Markt von Saint-Malo ermittelt Dupin im Team mit zwei gleichgestellten Commissaires, die mit ihm und ihren jeweiligen Präfekten das Seminar hätten besuchen sollen.
Umsponnen von lukullischen Exkursen, die sich dank des Settings in der Welt der Sterneküche perfekt eingliedern, hat Jean-Luc Bannalec einen Thriller hervorgebracht, der seinen besseren Vorgängern in nichts nachsteht und sogar einige neue Aspekte mitbringt. Das Untergenre des Thrillers wird wesentlich stärker fokussiert als bisher. Zudem spielt die eher banale Backstory um Dupin und Claire, seine Freundin-Verlobte-Frau-wasauchimmer in diesem Fall nur einer unterstgeordnete Rolle. Teutates sei Dank, um in der Region zu bleiben.
Apropos Region! Wer sich fragt, warum ich mich so gerne Regionalkrimis widme, obwohl ich das Genre schon mannigfach kritisiert habe, kann ja einmal in die neueste Podcast-Folge reinhören. In knapp 3 Minuten erkläre ich, warum Regionalkrimis so erfolgreich sind. So, genug geworben.
Auf zum nächsten Krimi!
Bis dahin, viel Spaß Euch allen und einen guten Start in 2021!
JMB

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