
Es ist Meckern auf hohem Niveau, aber es ist Meckern. Für mich war Bretonisches Vermächtnis bisher der eindeutig schwächste Bannalec.
Dabei begann alles so vielversprechend: Ein reicher Arzt, aus seinem eigenen Fenster gestoßen – in den Hinterhof des Amiral, des Lieblingsrestaurants von Commissaire George Dupin, dem längst Kult gewordenen Ermittler in Jörg Bongs Bretagne-Krimis. Bereits hier wird eine Parallele zu einem anderen Roman angesprochen. Zu einem Klassiker der Kriminalliteratur, den ich selbst als Jugendlicher gelesen habe: George Simenons Maigret und der Gelbe Hund. Meine Lektüre dieses ebenfalls in Concarneau spielenden Krimis liegt leider schon so viele Jahre zurück, dass mir die Handlung nicht mehr präsent ist. Das ist jedoch für das Verständnis von Bretonisches Vermächtnis überhaupt kein Problem – Bannalec (Bong) erzählt Simenon mehrfach nach, lehnt seinen Plot an den des französischen Vorbilds an und nimmt derart häufig Bezug, dass man sich gegen Ende leider fragen muss, warum er überhaupt einen eigenen Fall konzipieren musste – er hätte den Gelben Hund einfach neu auflegen können.
Diese verheerende Schwäche gepaart mit der diesmal weniger ansprechenden Schilderung der malerischen Bretagne mit ihrem Lebensgefühl, der Küste und der Küche, sorgt leider dafür, dass Dupins achter Fall weitaus weniger lesenswert war als seine Vorgänger. Dass schließlich auch noch neue Figuren in das eingespielte Protagonistenteam eingewoben werden und hingegen ohne Not auf den pingeligen Präfekten und den streitbaren Inspektor Kadec verzichtet wird, wirkt eher wie der mehr oder weniger verzweifelte Versuch von mangelnder Brisanz in Sachen Handlung abzulenken, als tatsächlich wie eine durchdachte Ergänzung des bekannten und beliebten Schemas der Bretagne-Krimis.
Vielleicht spielt in Bretonisches Vermächtnis auch die mittlerweile übliche Verfilmung der optisch ansprechenden bretonischen Ermittlungen Dupins eine Rolle. Die Dialoge wirken – wohlgemerkt im Vergleich zu den bisherigen, fantastischen Romanen Bannalecs – nicht mehr so spritzig und sind oft kürzer und somit "verfilmbarer" gehalten. Auch eine, wenn auch weniger schwerwiegende Schwäche dieses Romans.
ABER: Was in diesem Band der Reihe meines Erachtens nicht funktioniert hat, kann im nächsten Teil famose Früchte tragen. Oft genug war der Nachfolger eines vermeintlichen literarischen Tiefpunkts ein grandioses Comeback. Jörg Bong traue ich dies ohne zu zögern zu. Von daher werde ich die Reihe nun auf gar keinen Fall aus den Augen verlieren, sondern vielmehr gespannt auf Teil 9 warten. Möge er wieder besser werden.
Persönlich finde ich es schade, dieses spannende erste Jahr von KrimiKammer so negativ beenden zu müssen. 2019 war für mich als Blogger ebenso ereignisreich wie als Privatperson. Nun freue ich mich auf das kommende Jahrzehnt und mit ihm auf viele kriminalliterarische Genüsse. Hoffentlich schaffe ich es in 2020 auch, einige neue Formate auf diesem Blog zu etablieren. Ich bin gespannt und hoffe, ihr seid es auch!
Bis dahin, gehabt euch wohl und kommt gut ins neue Jahr!
Melchior
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