"Don't fear the plottwist" - Blue Öyster Cult (oder so ähnlich)Cormoran Strike, gefeierter Privatdetektiv, und seine Assistentin - oder Partnerin? - Robin Ellacott bekommen ein abgetrenntes Frauenbein zugeschickt. Soweit, so vielversprechend.
Was nun folgt, ist allerdings weitgehend eine Aneinanderreihung von Klischees und unbeholfenen Wendungen.Während die Ermittlung seitens Strike von Beginn an auf drei Verdächtige beschränkt ist, versucht Joanne K. Rowling in ihrem dritten Kriminalroman einen zweiten Handlungsstrang um die bevorstehende Hochzeit Robins zu etablieren. Dass sie in diesem dann auch mehr "unerwartete" Entwicklungen unterbringt, als im Fall selbst, beweist eindeutig, welche Prioritäten bei diesem Roman gesetzt wurden. Die drei Verdächtigen werden von Strike ganz zu Beginn benannt und bleiben bis zum Ende auch mehr oder weniger unangefochten. Der erste ist ein ehemaliger Boxer, den Strike aus seiner Zeit bei der Army kennt - ebenso wie den Kandidaten Nummer zwei, einen Kinderschänder. Beide hat Strike zuvor überführt - beide für Verbrechen an Frauen und Kindern. Der dritte Kandidat ist der ehemalige Stiefvater Strikes, der mutmaßlich seine Mutter vergiftet haben könnte - so vermutet der Detektiv zumindest selbst. Die doch sehr begrenzte Auswahl begründet Strike über die Vergangenheit der Männer, sowie im Fall seines Stiefvaters über das dem Frauenbein beiliegende Zitat von Blue Öyster Cult. Zu der Band hat Strike zwar eine lose Bindung, der einzige Verdächtige, über den man das ebenfalls sagen könnte, ist jedoch der Stiefvater. Logischerweise hätte man die recht willkürliche Auswahl also auch auf einen Verdächtigen herunterkürzen können.
Dabei wäre jedoch - und das scheint zunächst der einzige Grund dafür zu sein - der komplette Handlungsstrang verloren gegangen, in dem Robin quasi im Alleingang den pädophilen Ex-Soldaten verfolgt und dabei ihre eigene Vergangenheit aufarbeitet. Großes emotionales Kino mit mehr oder weniger glaubhaften Hintergründen.
Robins Vergangenheit wird zum Aushängeschild eines feministischen Krieges gegen die gewalttätigen Männer, der allerdings leider derart "holzhammerhaft" daher kommt, dass jeder eigentlich angebrachte und berechtigte Gedanke Rowlings ins Lächerliche gezogen wird. Der ohnehin unsympathisch angelegte Verlobte Robins, Matthew, stellt sich im Laufe der Handlung als Lügner heraus, der sie in ihrer emotional schwersten Phase betrogen hat. Doch: Nachdem sie sich mit viel Herzschmerz und Drama von ihm getrennt hatte, lässt Rowling Robin schließlich wieder zu ihm zurückkehren. Ein Schelm, wer hier argwöhnt, die bevorstehende Hochzeit könnte einfach einen guten Abschluss für den Roman dargestellt haben.
Den abschließenden "Plottwist" spoilere ich Euch mal nicht, auch wenn die meisten von Euch ihn wohl ebenso wie ich bereits vorhersehen können. Nur soviel: Die Verbindung zu Blue Öyster Cult bleibt ebenso rätselhaft, wie sie es schon zu Beginn war.
Mich hat dieser Roman auf nahezu jeder Ebene enttäuscht. Vor allem, da ich als glühender Potterhead eigentlich besseres von JKR gewohnt bin. Selbst Dietmar Wunder, den ich als Sprecher ja bekanntermaßen sehr schätze, konnte hier wenig retten.
Schweren Herzens muss ich euch davon abraten, diesen vielversprechenden und wenighaltenden Krimi zu lesen.
Auf dass es beim nächsten Mal besser werde!
Melchior
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen