Death Call (den deutschen Beititel lasse ich mal weg) ist seit langem der erste Krimi, den ich beenden konnte. Dieses Jahr bot bislang viel weniger Zeit, als ich gerne für KrimiKammer gehabt hätte - dabei könnte man meinen, dass einen der Lockdown zum Lesen zwingt! Stattdessen hatte ich eine fantastische Auftragslage und konnte mich beruflich austoben, sodass bei mir teilweise gleich mehrere Bücher auf der Strecke blieben. Das meine ich übrigens wörtlich: Bei weitem die meisten Hör- und Leseminuten sammle ich ja ohnehin in den öffentlichen Verkehrsmitteln. In den vergangenen Wochen hatte ich jedoch nicht nur die Möglichkeit, über den ÖPNV in Schleswig-Holstein einen Artikel zu verfassen - ich habe auch auf Hin- und Rückwegen zu diversen Terminen so viel Zeit an Bahnhöfen verbracht, dass ich meinem alten Hobby, der Bahnhofsbuchhandlungsschnäppchenjagd mal wieder ausgiebig frönen zu können. Doch dazu komme ich ein andermal.
In der Vergangenheit sind Chris Carters Werke jedoch nicht durchweg positiv bei mir angekommen. Und so begegnete ich auch Death Call mit einiger Skepsis. Die Initialzündung des Romans ließ diese allerdings rasch verstummen: Eine junge Frau muss via Videoanruf den brutalen Mord an ihrer besten Freundin nicht nur mit ansehen, sie ist auch noch integral daran beteiligt. Fantastisch! Ein klassischer Carter! Psychothriller trifft Splatter.
Dass die Protagonisten, Robert Hunter und Carlos Garcia vom Morddezernat 1 des LAPD, genauer gesagt der UV-Einheit, inzwischen mehr als wohlbekannt und bis zur völligen Erschöpfung immer und immer wieder vorgestellt worden sind, versetzt dem Fluss des ansonsten rasanten und von Wendungen und eigentümlichen Charakteren nur so übersprudelnden Roman leider den einen oder anderen Dämpfer. Nicht zuletzt deswegen fiel es mir des Öfteren schwer, mich zum Weiterhören zu motivieren. Es ging so weit, dass ich zwischenzeitlich ein ganzes Hörbuch (kein Krimi), sowie unzählige Podcast-Folgen abgeschlossen hatte, bevor ich Death Call als Unterhaltungsoption überhaupt wieder in Betracht zog.
Insgesamt fällt meine Kritik daher mäßig aus: Wer sich an Wiederholungen nicht stört und/oder Personenbeschreibungen seeeehr schnell wieder vergisst, findet hier einen wirklich guten Krimi. Für alle anderen ist es eine zähe Lektüre, bzw. ein ermüdendes Hörvergnügen. Für lange Zugfahrten aber durchaus zu empfehlen.
Bald erscheinen übrigens auch ein paar andere Beiträge! Zur Zeit ist ein baskischer Regionalkrimi teil meines Reisegepäcks und soeben beendete ich die erste Staffel der Krimi-Serie Lupin auf Netflix.
Sodenn - auf Wiederlesen, meine lieben Freunde des gepflegten Verbrechens!
JMB
