KrimiKammer durchsuchen

Carter: Totenkünster (2013) | Kommentar/Kritik

Zwischen Licht und Schatten. So kann man Totenkünstler von Chris Carter eigentlich ganz gut zusammenfassen.
In ihrem vierten literarischen Fall jagen Robert Hunter und Carlos Garcia den brutalen Mörder eines bereits sterbenskranken Staatsanwalts, der - soviel sei vorweggenommen - es nicht bei diesem einen Opfer belässt. Soweit, so typisch. Klassischer Thriller, noch dazu einer der ganz harten Sorte. Bei den Schilderungen von Blutbädern, abgetrennten Gliedmaßen, die - daher der Titel - zu abstrusen Skulpturen verarbeitet werden, kann selbst einem mittlerweile hartgesottenen Thriller-Fan wie mir mulmig werden. Wie immer nimmt Chris Carter kein Blatt vor den Mund, wenn es um explizite Gewaltdarstellungen, emotionale Grausamkeit oder auch harten, selten einvernehmlichen Sex geht.
Und genau hier liegt eine Schwachstelle des Romans: Während andere bekannte Thriller-Autoren Sex nur selten in ihre Romane einfließen lassen und diesen dann allerhöchstens in handlungsdienlichen Andeutungen verstecken, lässt Carter eine Sex-Szene nach der anderen vom Stapel. Dadurch wirkt der Roman teilweise, als stamme er aus der Feder eines 15-Jährigen. Ähnlich stillos verarbeitet Carter eines seiner persönlichen Lieblingsthemen immer wieder: Kein Teil der Hunter-Garcia-Reihe kommt ohne die Erwähnung des Begriffs "Heavy Metal" aus. Versteht mich nicht falsch - ich habe weder etwas gegen Sex, noch gegen Metal. Dass Autoren jedoch so ausdauernd auf ihre Lieblingsthemen zurückgreifen und sich auf diese Weise ein Publikum sichern, das die gleichen Spleens teilt, kann er nicht erwarten, von der Kritik dafür gelobt zu werden.
Von diesen - mittlerweile als typisch geltenden - Schnitzern Chris Carters abgesehen, ist Totenkünstler allerdings ein durchaus ansprechender Krimi. Besondere Brisanz durch die Wahl der Opfer, ein langes "Im Dunkeln Tappen" der Ermittler, das geschickte Einsetzen einiger red herrings - Carter beherrscht sein Handwerk. Die Frage, die ich mir jedoch stelle, lautet: Warum belässt er es nicht dabei? Sowohl der Sex, als auch die Musik sind weitgehend nicht handlungstragend. Führe Carter diese unnötige Unprofessionalität etwas zurück, wäre er ohne Zweifel einer der besten Thriller-Autoren der Gegenwart.
Leider kann man bei Totenkünstler wirklich nur von einem durchschnittlichen Krimi reden. Das Hörbuch ist dennoch sein Geld wert. Wieder einmal leiht Uve Teschner den Figuren seine Stimme und erzählt mit beeindruckender Nüchternheit die brutale, bösartige und äußerst spannende Story.
Hörempfehlung ja, Leseempfehlung nein.

Bis zum nächsten Mal! Lest und hört fleißig!
Melchior

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

"Der Eindringling": Warum der neue Thriller von Jeffery Deaver brandaktuell ist

Ende 2023 ist endlich wieder ein neuer Thriller aus der Feder Jeffery Deavers erschienen - auch auf Deutsch. Ich habe mir das Hörbuch gekauf...