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DARK (2017) | Serienkritik - spoilerfrei!

"Was wir wissen, ist ein Tropfen - was wir nicht wissen, ein Ozean." - Sir Isaac Newton

Eine Kritik von Dark - wo fängt man an? Wo fängt eigentlich Dark an?
Die Frage nach dem "wo" ist leicht geklärt: In der fiktiven Kleinstadt Winden. Unromantisch, AKW-Standort, prototypisch für ein Kaff, in das keiner will. Hier, wo niemand etwas außergewöhnliches vermuten würde, verschwinden seit Jahrzehnten immer wieder Kinder, hat gefühlt jede Familie ein Geheimnis - und das gleich in mehreren Generationen. Diese Generationen begleitet die Serie durch die sich scheinbar stets wiederholenden Ereignisse im Rhythmus von 33 Jahren.
Ohne zu viel verraten zu wollen: Stammbäume können sehr komplex sein, wie Dark zeigt. 

Die ganze Serie dreht sich um einen "Knoten" - und verursachte gleich mehrere in meinem Gehirn. An dieser Stelle muss ich mich bei meinem ehemaligen Physiklehrer entschuldigen, der mir das Versprechen abnahm, in meinem Leben nie mehr an sein Unterrichtsfach zu denken: Herr Klein, es tut mir Leid, aber das war es wert!* Quantenphysik spielt in dieser Serie eine nicht wegzudenkende Rolle - den Drehbuchautoren gelang jedoch spielend, woran jede meiner Lehrkräfte, so bemüht er oder sie auch war, kläglich gescheitert ist: Es wurde mir nicht langweilig!

Im Gegenteil: Je verzweigter das Gewirr aus Zeit, Beziehungen und Realitäten wurde, desto mehr faszinierte mich Dark, desto weniger konnte ich abschalten - und desto mehr habe ich über Grundprobleme der Physik nachgedacht. Klüger bin ich jetzt, da ich die Serie abgeschlossen habe, wohl nicht - aber gut unterhalten. Drei Staffeln à 8-10 Folgen mit je ca. 50 Minuten Spielzeit versüßen den einen oder anderen Abend! Besonders die aufwändige und gut geplante Produktion hat dafür gesorgt, dass ich nach mehreren (langen) Abenden eher das Gefühl hatte, einen wirklich guten Film gesehen zu haben. Dass die Hauptverantwortlichen Baran bo Odar (Regie) und Jantje Friese (Drehbuch), verheiratet sind, trägt vermutlich auch zu der unglaublich harmonischen Grundverfassung der Serie bei. Nichts wirkt zufällig, alles geplant, alles wohl durchdacht - ganz im Sinne der Handlung.

Besonderes Lob gebührt neben bo Odar und Friese jedoch auch dem Casting-Team, der Maske, sowie den Schauspielerinnen und Schauspielern selbst. Da die meisten Rollen mehrfach in verschiedenem Alter gecastet werden mussten, war es besonders wichtig, auf Wiedererkennungswert und eine ähnliche Attitüde zu achten. Das wiederum ist den Verantwortlichen derart gut gelungen, dass mir beispielsweise bis eben nicht aufgefallen ist, dass eine Rolle von Oliver Masucci und Winfried Glatzeder gespielt wurde.
Die mimische Leistung gerade der jungen Darsteller*innen ist enorm professionell und emotional glaubwürdig - eigentlich ohne Ausnahme. Dieser Umstand ist besonders beeindruckend, wenn man sich vor Augen führt, dass einige Darstellerkinder zum Drehzeitpunkt erst 11, respektive 13 Jahre alt waren - châpeau, Carlotta von Falkenhayn! Als elfjähriges Mädchen die Rolle einer Taubstummen dermaßen realistisch darzustellen, ist eine wirklich besondere Leistung. One to watch!
Bei den Erwachsenen gibt es ebenfalls wenig bis gar nichts zu kritisieren. Hervorzuheben sind meiner Meinung nach vor allem Jördis Triebel und Oliver Masucci, die trotz ihrer weitreichenden TV-Bekanntheit unglaublich stimmig in ihren Rollen wirken. Jede Träne und jeder Wutausbruch wirkt so real, als hätten beide wirklich eben erfahren, dass ihr Kind verschwunden sei.
Die beiden Hauptrollen Jonas und Martha werden von insgesamt acht Darstellerinnen und Darstellern verkörpert, die sich teilweise erschreckend ähnlich sehen - und in ihrer Mimik und Gestik so perfekt auf einander abgestimmt sind, dass sie on screen tatsächlich wie ein und die selbe Person wirken.

Mit diesen Lobhudeleien könnte ich wohl weiter machen, bis ich alle Schauspieler*innen in den Unterhaltungsolymp erhoben hätte - das würde aber wohl den Rahmen sprengen. Wie Ihr aber längst aus der überschwänglichen Art und Weise meiner "Kritik" herausgelesen habt, empfehle ich euch Dark rückhaltlos.

Die Einordnung der hauseigenen Produktion des Streamingdienstes Netflix als "Krimi" - und damit ihre Daseinsberechtigung auf diesem Blog - fiel mir hingegen schwer. Eigentlich handelt es sich bei Dark wohl um eine Mystery-SciFi-Serie, mit Aspekten aus den Genres Drama und Thriller. Letzteres, sowie die polizeilichen Ermittlungen zu den Vermisstenfällen in Winden geben mir jedoch die willkommene Legitimation, eine Kritik zu Dark auf KrimiKammer zu verfassen.

Demnächst kommen auch wieder richtige Krimi-Beiträge - versprochen! Auch erwarte ich bald den ersten Gastbeitrag für diesen Blog. Ihr dürft also gespannt sein!

Bis dahin, viel Spaß, falls ich Euch überzeugt habe, Dark anzusehen - falls nicht, fangt einfach oben wieder an, zu lesen. Der Hinweis passt auch ganz gut zu Dark...

JMB


*Übrigens, danke für die 2 Punkte - die hatte ich nicht verdient. 

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