Liebe Freunde des gepflegten Mordens!
Da an meiner Uni, sowie in meinem Umfeld durch Corona in diesen Tagen alles ausfällt, was nicht bei drei schon abgesagt wurde, benötigt unsereins besonders dringend gute Unterhaltung. Ja, ich weiß, das ist eigentlich der Slogan von Audible - heute möchte ich euch allerdings kein Hörbuch ans Herz legen.
Stattdessen empfehle ich euch einen Podcast, auf den mich wiederum einer meiner besten Freunde zur Bekämpfung meiner chronischen Langeweile auf Busfahrten etc. aufmerksam machte. Ich danke, lieber Johannes! Seitdem ich den Podcast ZEIT Verbrechen kenne, höre ich täglich etwa zwei Folgen. Bei einer durchschnittlichen Länge von etwa 40 Minuten könnt ihr euch denken, wie gut mir diese regelmäßigen Exkurse in die Welt des true crime zusagen!
Für mich persönlich ist auf Grund meiner Tätigkeit als Gerichtsreporter vieles, was in diesem Podcast beschrieben wird, weniger neu als für die meisten anderen Hörer. Aber auch ich habe Fälle, wie sie von Sabine Rückert geschildert werden, so noch nicht erlebt. Sabine Rückert ist die stellvertretende Chefredakteurin der ZEIT und Herausgeberin des Magazins ZEIT Verbrechen, welches seit 2018 erscheint. Zusätzlich zu den Podcasts gibt es das Magazin auch in gedruckter Form - als Heft und als Buch - zu lesen. Unterstützt wird Sabine Rückert, selbst jahrelang Gerichtsreporterin der ZEIT und in dieser Funktion bundesweit eine Koryphäe, von Andreas Sentker, dem Leiter des Wissensressorts der ZEIT. Das Zusammenspiel der beiden Journalisten harmoniert perfekt: Mit spitzzüngigen Fragen schafft es Sentker, Sabine Rückerts Erzählungen ihrer Fälle noch pointierter zu gestalten. Dabei fehlt es auch nicht an gelegentlichem, wohl gewähltem schwarzen Humor. Seit einigen Folgen stellen auch immer wieder Gäste ihre Fälle vor - auch bei ihnen handelt es sich um Kriminal- und Gerichtsreporter. Besonders die Folge "Massenmörder und Held", die sich um den Fall des Kriegsverbrechers Radovan Karadžić dreht, hat es mir angetan.
Seit ein paar Tagen wartet nun schon die neueste Episode, "Ein sogenannter Ehrenmord" auf mich. Diese will ich nun nicht länger hinhalten und mich ihr in vollem Umfang widmen. Verzeiht mir daher, dass ich euch nun mit dem Podcast alleine lasse. Ich wünsche euch viel Spaß! Wenn ihr mir eurerseits noch Podcasts, Hörbücher, Bücher, Magazine, wissenschaftliche Arbeiten, etc. empfehlen wollt, bin ich dafür stets zu haben! Nutzt einfach die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag - oder schreibt mir eine E-Mail über die Kontakt-Funktion in der linken Spalte!
Ich verbleibe mit kriminalistischen Grüßen!
Melchior
Ein Kompartiment des Kriminellen, des Absonderlichen und des Gewöhnlichen aus der Perspektive der Lesenden, Beobachtenden und Schreibenden.
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Galbraith: Die Ernte des Bösen (2015) | Kritik
"Don't fear the plottwist" - Blue Öyster Cult (oder so ähnlich)Cormoran Strike, gefeierter Privatdetektiv, und seine Assistentin - oder Partnerin? - Robin Ellacott bekommen ein abgetrenntes Frauenbein zugeschickt. Soweit, so vielversprechend.
Was nun folgt, ist allerdings weitgehend eine Aneinanderreihung von Klischees und unbeholfenen Wendungen.Während die Ermittlung seitens Strike von Beginn an auf drei Verdächtige beschränkt ist, versucht Joanne K. Rowling in ihrem dritten Kriminalroman einen zweiten Handlungsstrang um die bevorstehende Hochzeit Robins zu etablieren. Dass sie in diesem dann auch mehr "unerwartete" Entwicklungen unterbringt, als im Fall selbst, beweist eindeutig, welche Prioritäten bei diesem Roman gesetzt wurden. Die drei Verdächtigen werden von Strike ganz zu Beginn benannt und bleiben bis zum Ende auch mehr oder weniger unangefochten. Der erste ist ein ehemaliger Boxer, den Strike aus seiner Zeit bei der Army kennt - ebenso wie den Kandidaten Nummer zwei, einen Kinderschänder. Beide hat Strike zuvor überführt - beide für Verbrechen an Frauen und Kindern. Der dritte Kandidat ist der ehemalige Stiefvater Strikes, der mutmaßlich seine Mutter vergiftet haben könnte - so vermutet der Detektiv zumindest selbst. Die doch sehr begrenzte Auswahl begründet Strike über die Vergangenheit der Männer, sowie im Fall seines Stiefvaters über das dem Frauenbein beiliegende Zitat von Blue Öyster Cult. Zu der Band hat Strike zwar eine lose Bindung, der einzige Verdächtige, über den man das ebenfalls sagen könnte, ist jedoch der Stiefvater. Logischerweise hätte man die recht willkürliche Auswahl also auch auf einen Verdächtigen herunterkürzen können.
Dabei wäre jedoch - und das scheint zunächst der einzige Grund dafür zu sein - der komplette Handlungsstrang verloren gegangen, in dem Robin quasi im Alleingang den pädophilen Ex-Soldaten verfolgt und dabei ihre eigene Vergangenheit aufarbeitet. Großes emotionales Kino mit mehr oder weniger glaubhaften Hintergründen.
Robins Vergangenheit wird zum Aushängeschild eines feministischen Krieges gegen die gewalttätigen Männer, der allerdings leider derart "holzhammerhaft" daher kommt, dass jeder eigentlich angebrachte und berechtigte Gedanke Rowlings ins Lächerliche gezogen wird. Der ohnehin unsympathisch angelegte Verlobte Robins, Matthew, stellt sich im Laufe der Handlung als Lügner heraus, der sie in ihrer emotional schwersten Phase betrogen hat. Doch: Nachdem sie sich mit viel Herzschmerz und Drama von ihm getrennt hatte, lässt Rowling Robin schließlich wieder zu ihm zurückkehren. Ein Schelm, wer hier argwöhnt, die bevorstehende Hochzeit könnte einfach einen guten Abschluss für den Roman dargestellt haben.
Den abschließenden "Plottwist" spoilere ich Euch mal nicht, auch wenn die meisten von Euch ihn wohl ebenso wie ich bereits vorhersehen können. Nur soviel: Die Verbindung zu Blue Öyster Cult bleibt ebenso rätselhaft, wie sie es schon zu Beginn war.
Mich hat dieser Roman auf nahezu jeder Ebene enttäuscht. Vor allem, da ich als glühender Potterhead eigentlich besseres von JKR gewohnt bin. Selbst Dietmar Wunder, den ich als Sprecher ja bekanntermaßen sehr schätze, konnte hier wenig retten.
Schweren Herzens muss ich euch davon abraten, diesen vielversprechenden und wenighaltenden Krimi zu lesen.
Auf dass es beim nächsten Mal besser werde!
Melchior
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