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Deaver: Die Tränend es Teufels (2001) | Kommentar/Kritik

Jeffery Deaver lässt in Interviews gerne erkennen, wie viel er von Hollywood-Filmen im allgemeinen und Verfilmungen seiner Werke im Speziellen hält. Als Fan des Kino-Thrillers und Autor eines eigenen James-Bond-Romans ist der US-Autor daher prädestiniert dazu, Bücher zu schreiben, die später verfilmt werden. So geschehen ist es etwa bereits bei Der Knochenjäger mit Angelina Jolie in der weiblichen Hauptrolle der Amelia Sachs. Nicht unerwähnt soll hier die zu erwartende neue Serie Lincoln bleiben, die sich ebenfalls der Lincoln-Rhyme-Reihe widmet. 
Der 1999 spielende Thriller Die Tränen des Teufels, in dem der Publikumsliebling Rhyme nur einen kleinen Gastauftritt hat, ist bislang nicht verfilmt worden. Dabei wäre die Rolle des Parker Kincaid, der in diesem Roman als Protagonist fungiert, eine Paraderolle für den Schauspieler Brendan Fraser gewesen - mittlerweile wäre er allerdings wohl zu alt. Der Plot rund um eine Anschlagserie in der US-Hauptstadt Washington D.C. am Silvesterabend der Jahrtausendwende wäre ebenfalls absolut filmreif. Actiongeladen, brutal, abwechslungsreich. Ein klassischer Deaver - ein klassischer Thriller. 
Was allerdings gegen eine Verfilmung spricht, sind die besonders häufig eingesetzten Gedankenspiele und Rätsel, die insbesondere bei den Figuren Parker Kincaids und Margaret Lukas' charaktertragend sind. Der "Rätselmeister" Kincaid wartet immer wieder mit inneren Monologen auf und Lukas' Vergangenheit wird derart nebulös beschrieben, dass eine Verfilmung dieser Szenen nahezu unmöglich wäre.
Deaver schafft jedoch das, was Hollywood nicht gelungen wäre: Bei all den vermeintlich geschwindigkeitshemmenden Szenen in der Innensicht der Charaktere behält Die Tränen des Teufels ein halsbrecherisches Tempo bei, das den Roman äußerst unterhaltsam macht.
Für Fans des klassischen Actionfilms ein perfekter Roman. Insbesondere in der Hörbuchfassung mit Dietmar Wunder perfekt für lange Bus- oder Bahnfahrten. Ihr werdet euch nicht langweilen!

Ich entschuldige mich für die lange Pause - bald kommt wieder mehr!
Macht euch eine schöne Woche!
Melchior

Podcast-Empfehlung: Jeffery Deaver bei "The Booktopia Books Podcast"

Guten Morgen! Nach dem Aufstehen stieß ich heute auf Twitterauf dieses interessante Interview mit Jeffery Deaver im Booktopia-Books-Podcast. Ganz unbürokratisch möchte ich euch also diese kleine Hörempfehlung da lassen!
Ich suche derzeit noch immer nach einem neuen Krimi, den ich mir anhören kann - zum "in Ruhe lesen" fehlt mir immer noch die Zeit. Meine Hausarbeit habe ich mit einer sehr guten Bewertung zurück bekommen - eventuell werde ich einen Teil hier hochladen. Lasst mich in den Kommentaren wissen, was ihr hier gerne lesen wollt und ob ich euch öfter anderer Leute Beiträge rund um das Thema Krimi empfehlen soll. Für Krimi-Empfehlungen eurerseits bin ich selbstverständlich ebenfalls sehr dankbar!

Melchior

Carter: Totenkünster (2013) | Kommentar/Kritik

Zwischen Licht und Schatten. So kann man Totenkünstler von Chris Carter eigentlich ganz gut zusammenfassen.
In ihrem vierten literarischen Fall jagen Robert Hunter und Carlos Garcia den brutalen Mörder eines bereits sterbenskranken Staatsanwalts, der - soviel sei vorweggenommen - es nicht bei diesem einen Opfer belässt. Soweit, so typisch. Klassischer Thriller, noch dazu einer der ganz harten Sorte. Bei den Schilderungen von Blutbädern, abgetrennten Gliedmaßen, die - daher der Titel - zu abstrusen Skulpturen verarbeitet werden, kann selbst einem mittlerweile hartgesottenen Thriller-Fan wie mir mulmig werden. Wie immer nimmt Chris Carter kein Blatt vor den Mund, wenn es um explizite Gewaltdarstellungen, emotionale Grausamkeit oder auch harten, selten einvernehmlichen Sex geht.
Und genau hier liegt eine Schwachstelle des Romans: Während andere bekannte Thriller-Autoren Sex nur selten in ihre Romane einfließen lassen und diesen dann allerhöchstens in handlungsdienlichen Andeutungen verstecken, lässt Carter eine Sex-Szene nach der anderen vom Stapel. Dadurch wirkt der Roman teilweise, als stamme er aus der Feder eines 15-Jährigen. Ähnlich stillos verarbeitet Carter eines seiner persönlichen Lieblingsthemen immer wieder: Kein Teil der Hunter-Garcia-Reihe kommt ohne die Erwähnung des Begriffs "Heavy Metal" aus. Versteht mich nicht falsch - ich habe weder etwas gegen Sex, noch gegen Metal. Dass Autoren jedoch so ausdauernd auf ihre Lieblingsthemen zurückgreifen und sich auf diese Weise ein Publikum sichern, das die gleichen Spleens teilt, kann er nicht erwarten, von der Kritik dafür gelobt zu werden.
Von diesen - mittlerweile als typisch geltenden - Schnitzern Chris Carters abgesehen, ist Totenkünstler allerdings ein durchaus ansprechender Krimi. Besondere Brisanz durch die Wahl der Opfer, ein langes "Im Dunkeln Tappen" der Ermittler, das geschickte Einsetzen einiger red herrings - Carter beherrscht sein Handwerk. Die Frage, die ich mir jedoch stelle, lautet: Warum belässt er es nicht dabei? Sowohl der Sex, als auch die Musik sind weitgehend nicht handlungstragend. Führe Carter diese unnötige Unprofessionalität etwas zurück, wäre er ohne Zweifel einer der besten Thriller-Autoren der Gegenwart.
Leider kann man bei Totenkünstler wirklich nur von einem durchschnittlichen Krimi reden. Das Hörbuch ist dennoch sein Geld wert. Wieder einmal leiht Uve Teschner den Figuren seine Stimme und erzählt mit beeindruckender Nüchternheit die brutale, bösartige und äußerst spannende Story.
Hörempfehlung ja, Leseempfehlung nein.

Bis zum nächsten Mal! Lest und hört fleißig!
Melchior

"Der Eindringling": Warum der neue Thriller von Jeffery Deaver brandaktuell ist

Ende 2023 ist endlich wieder ein neuer Thriller aus der Feder Jeffery Deavers erschienen - auch auf Deutsch. Ich habe mir das Hörbuch gekauf...