"Dupin war unzufrieden. Er hatte in diesem Fall noch immer keinen Boden unter den Füßen. Er stocherte blind umher."
Ein wilder Fall, der sich uns Bretagne-Krimi-Fans da diesmal präsentiert. Commissaire Dupins Zwölfter ist eine besondere Eskapade. Das Setting: Dupin und Claire sind in den Flitterwochen am Lac de Grand-Lieu – also in der Loire-Region – unterwegs.
Ist das überhaupt noch die Bretagne? Diese Frage stellt sich gleich zu Beginn und wird natürlich mit "ja" beantwortet. Kein Wunder: Mittlerweile würden treue Leser es Bannalec, bzw. Jörg Bong, auch abkaufen, wenn er ihnen erklären würde, dass Dupin demnächst in Bielefeld ermittelt. "Bielefeld ist schließlich legendenumsponnen – und das ist urbretonisch", würde dann wohl Inspektor Riwal sagen. Oder so.
Lange Rede, gar kein Sinn: Die Handlung spielt mal wieder fern ab von Concarneau. Und was uns da an Handlung aufgetischt wird, ist wirklich eine abenteuerliche Geschichte. Der Ex-Lebensgefährte einer Freundin von Claire wird ermordet und Dupin ermittelt im Wettstreit mit dem Kollegen aus Nantes undercover. Abenteuerlich.
Und vollkommen unglaubwürdig. Aber irgendwie schafft es Jörg Bong dann doch wieder, diesen ganz besonderen Spannungsbogen aus dem Nichts zu zaubern. Die Bannalec-eigenen Charaktere, die unfassbar dicht gezeichneten Szenen, die Atmosphäre – Bong hat mit Bretonischer Ruhm eigentlich eine überlange, fiktionale Reportage geschrieben.
Der journalistische Background des Autors zeigt sich auch in den kulinarisch-kritischen Eskapaden – und dem erstaunlich gut aufgearbeiteten Kernthema des Romans: dem Loire-Wein, insbesondere dem Muscadet. Mich jedenfalls hat der Wein als Objekt des Interesses angefixt. Und auch für den in diesem Teil durchgängig leicht angesäuselten Ermittler gilt: in vino veritas. Mehr sei nicht verraten.
Für mich ist Bretonischer Ruhm trotz der unglaubwürdigen Fallkonstruktion ein wirklich gelungener Roman – weniger ein Krimi. Leseempfehlung, bzw. besonders Hörempfehlung gilt wie immer.
Salut!
JMB
