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Larsson: Verdammnis (2006) | Kommentar

Rasant, energiegeladen, schlicht und einfach spannend. So könnte man mit drei Attributen den zweiten Teil der Millenium-Trilogie beschreiben. In vielen Buch- oder Filmreihen ist der erste Folgeteil nach einem monumentalen Auftakt ein Durchhänger. Im Fall von Verdammnis gilt dies nicht. Man könnte dies wohl auf die ungewöhnliche Schreibsituation des Autors zurückführen. Da die Millenium-Trilogie erst nach dem plötzlichen und viel zu frühen Ableben Stieg Larssons veröffentlicht wurde, herrschte für den Journalisten im Prozess des Verfassens kein Erwartungsdruck. Ob jedoch nun jeder Krimiautor mit der Veröffentlichung seiner Werke bis zu sein eigenen Tod warten sollte, ist eine Frage, deren Beantwortung ich mir aus moralischen Gründen nicht zutraue. 
Fakt ist: Verdammnis ist fesselnd. Fesselnder als der erste Band? Nein. Genauso fesselnd? Auf jeden Fall. Aber anders: Während Verblendung noch Züge eines klassischen Detektivromans aufweist, gehen diese im Nachfolger fast vollständig verloren – obwohl Protagonist Mikael "Kalle" Blomquist hier erstmals als Privatdetektiv betitelt wird. Eigentlich ist und bleibt er jedoch Wirtschaftsjournalist, was für mich als Angehörigen der selben Berufsgruppe einen großen Teil des Lese- respektive Hörvergnügens ausmacht. Das "Heimspiel", das die Ansiedlung im Mediengeschäft bedeutet, ist jedoch nicht der Grund, warum ich euch auch den zweiten Teil der Millenium-Trilogie unbedingt ans Herz lege. Vielmehr ist es der Stil von Stieg Larsson, der, wäre sein Schicksal gnädiger mit ihm gewesen, eine ganze Generation von Krimiautoren gleichermaßen gelehrt und in den Schatten gestellt hätte. Stieg Larsson legte ein Verständnis des kriminalliterarischen Genres an den Tag, das ich in dieser Form noch bei keinem anderen Vertreter seiner Zunft beobachten konnte. Dabei arbeitet er souverän mit red herrings, verführt also sein Publikum zu Fehlannahmen, spielt aber auch mit den Gefühlen seiner Leser für die Protagonistin. Man zweifelt zwischenzeitlich unweigerlich an der Integrität von Lisbeth Salander. Ob zu Recht oder nicht, werde ich hier – wie auch den Rest der Story – nicht spoilern. Nur soviel: Plottwists à la Jeffery Deaver sind durchaus inbegriffen, aber nicht wie bei genanntem der Hauptbestandteil des Spannungsbogens. 
Verdammnis lebt von einer konstanten Zukunfts- und Gegenwartsspannung, unternimmt aber auch Ausflüge in die Vergangenheit der Protagonisten. So ist ein guter Krimi aufgebaut. 
Lest Millenium. Oder hört es. Eine ungekürzte Lesung des von mir geradezu vergötterten Dietmar Wunder findet ihr auf Audible*.
Ich widme mich nun Vergebung. 
Bis bald!
JM


*@audible: Wann sponsort ihr mich endlich?!

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