Wieder einmal beeindruckende Fachkenntnisse weist Jeffery Deaver in diesem, dem 14. Teil der Lincoln-Rhyme-Reihe auf: Das Fachgebiet der Diamantäre ist Kernthema des Thrillers, der im amerikanischen Original unter dem Titel The Cutting Edge erschienen ist. Als Autor eines James-Bond-Romans liegt das Thema geradezu verblüffend nahe - Diamonds are forever findet sogar einen kleinen Randnotiz-Platz in Deavers neuestem Roman.
Da jedoch der ermittelnde Protagonist James Bond unähnlicher kaum sein könnte, sitzt er doch im Rollstuhl und bevorzugt Glenmorangie Single Malt gegenüber dem Bondschen Martini (ich persönlich bin da ja ganz bei dem Briten, wenn auch gerührt und nicht geschüttelt – Banause, dieser Bond!), verläuft der Thriller nicht nach dem Agentenmuster, sondern vielmehr Holmes-esk deduktiv. Für die Action ist wie immer Rhymes Partnerin und mittlerweile Gattin Amelia Sachs zuständig.
Wo wir gerade von Charakteren sprachen: In Vladimir Rostow findet sich ein so wunderbar unsympathischer Gegenspieler, dass sich die Spannung des Romans schon aus dem schieren Wunsch ergibt, dieser Antagonist möge endlich seiner gerechten Strafe zugeführt werden. Herrlich! Die Hintergründe bleiben dabei zunächst im klassischen Deaver-Stil unergründet, ohne dass es dem geneigten Leser überhaupt auffällt. Man glaubt, den Täter bereits zu genüge zu kennen und vergisst dabei die elementarsten Fragen zu stellen. Der Meister des Red Herring schlägt wieder zu!
So lässt sich Der Todbringer eigentlich auch schön spoilerfrei zusammenfassen. Ich bin sehr angetan – wie immer, wenn ich Deaver lese. Oder höre. Wie in diesem Fall auch wieder auf Audible in der üblichen Dietmar Wunder-Lesung. Fantastisch eingesprochen, die Stimmung des Romans kommt durch den ruhigen Bariton genau richtig rüber. Absolute Empfehlung.
Das war's von meiner Seite für dieses Mal!
Melchior