Ohne Nolwenn und seine Citroën-Betriebsanleitung wäre er verloren.
Ein Roman mit dem Tempo eines Formel 1-Rennens. Ein Krimi, bei dem man den Kaffeekonsum des Ermittlers absolut nachfühlen kann. Halsbrecherisch steuert Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec seine Leser durch den Forêt de Broussillon, den sagenumwobenen Artuswald, der in den uralten Legenden wie in Erzählungen des Inspektor Riwal gleichermaßen Schauplatz mannigfaltiger Ereignisse ist - die jedoch nie in einer derartigen Hektik aufeinander folgen wie die Geschehnisse in Bretonische Geheimnisse, dem siebten Fall der Bretagne-Krimis.
Dass Commissaire Dupin neben seiner schwer zu leugnenden Kaffee-Sucht auch eine Vorliebe für die Entschleunigung der Ermittlungen hat, ist in diesem Fall nie wirklich zu spüren: Was als harmloser Betriebsausflug in den Forêt beginnt, entwickelt sich innerhalb weniger Minuten zu einer Sonderermittlung mit mehreren Toten.
Trotz dessen schafft es Bannalec mal wieder, dem Lesenden Lust auf die Bretagne zu machen. Diesmal ist sie jedoch weniger als sonst kulinarischer oder reiselustiger, sondern vielmehr literarischer Natur: Gerade für Freunde der Artusliteratur baut Jörg Bong, selbst von Haus aus Literaturwissenschaftler und Historiker, diverse Randnotizen in Anlehnung an Merlin, Artus, Morgàne, vor allem aber an den Löwenritter Iwein an - seineszeichens übrigens Pflichtlektüre im Germanistikstudium. Da ist es nur passend, dass die Toten allesamt Artusforscher - heißt Historiker, Literaturwissenschaftler oder Archäologen sind.
Die abgeschlossene Gruppe der Verdächtigen in Kombination mit der simultan zu den Verbrechen stattfindenden Aufklärung lässt den Roman zu einer perfekten Mischung der Untergenres Detektivroman und Thriller werden - zumindest, wenn man den Definitionen Peter Nussers folgen möchte.
Meines Erachtens nach handelt es sich bei Bretonische Geheimnisse um den bisher besten der Dupin-Krimis - leider aber auch um den bisher letzten. Da jedoch seit 2012 in jedem Jahr ein Krimi aus der Feder Bannalecs erschienen ist, ist meine Hoffnung auch in diesem Jahr groß, eine weitere literarische Reise in die Bretagne antreten zu dürfen. Hoffentlich auch dann wieder begleitet durch die warme Stimme Gerd Wamelings, der wie immer zu begeistern wusste.
Absolute Lese- und/oder Hörempfehlung!
Melchior